Von Oben

Von oben,
da kam sie gestoben,
in Fesseln gewoben,
im Trippelfallschritt.

Und Zack,
nahm sie mich Huckepack.
Fragte mich, wie sie’s macht,
in sechs Seile verstrickt.

Von Oben,
da kam sie gestoben,
nun lag sie am Boden,
in Netze geschnürt.

Im Blute,
am Ende der Route,
es kam ihr zugute,
da sie kaum noch spürt.

Von Oben,
da kam sie gestoben,
die Glieder verbogen,
die Haut rot und wund.

Blieb liegen,
am Grund nichts zu kriegen,
kein Sinn mehr im Siegen,
kein Sinn je am Grund.

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Frei

„In Freiheiten verlier‘ ich mich,
zu frei will ich nicht sein!“
Ein freies Lebenszeitgedicht,
geschöpft aus sechzehn Zeil’n.

„In Freiheiten verlier‘ ich mich,
denn Freiheit kostet Raum.“
Man nimmt ihn ein und pflanzt hinein,
den freien Lebenstraum.

„In Freiheiten verlor ich mich,
verlor in ihnen dich.“
Und träf‘ er uns im Traume nur,
zum Tanz der klaren Räume Spur,
wüsst‘ er, wovon er spricht.

Ich bin

Ich bin Produkt der Zeit:
Der Wege, die sie ging und
des Weges, den ich ging.
Der Fragen, die sie stellte und
der Frage, die ich stellte.
Der Antworten, die sie fand und
der Antwort, die ich fand.
Der Fakten, die sie schuf und
des Faktums, das ich bin.
Der Gottheit, die sie erkannte und
der Schönheit, die ich erahnte.
Des Unfalls, den man plante und
des Schicksals einer Wahl.

Die Folgen meiner Wahlen,
sie waren mir bewusst,
doch kann ich heut‘ nicht ahnen,
dass ich in 1000 Tagen,
mich auch entscheiden muss.

Tinktur

Zwei freie Sinnerschwärmer,
beschattet, unterdacht,
entwaffneten sich wortgewandt,
im Einzelkampf der Nacht.

Zwei junge Konstrukteure,
von Raum und Zeit gelöst,
trieben flussab, triefend nass,
des Ziegelkleids entblößt.

Zwei Pure, Sonnenkinder,
verstählerter Struktur,
zersetzten sich, ihr Selbstgedicht,
und Grenzen höher als das Ich,
in Dämmerlicht-Tinktur.

Die Weisen

Willkommen im Wesen,
verwundernder Weisen,
der ständigen Wanderer,
die niemals entgleisen.
Die niemals ausreißen,
trotz alternder Schienen,
die, rostig schon, liegen,
im scheintoten Gleis.

Das Wesen der Weisen,
der willigen Weber,
der dankbaren Dichter,
der liebenden Lehrer!
Versunken im Kontext,
zieh’n Schlüsse aus Kreisen,
zieh’n Wissen aus Leiden:
Das Wesen der Weisen.